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Recklinghäuser Energieprofessor sieht Stromversorgungssicherheit in Gefahr

Ohne staatliche Eingriffe bei der Absicherung der Energiewende durch Gaskraftwerke könnten Ende der 2020er Jahre Versorgungsengpässe drohen, so Prof. Dr. Ralf-Michael Marquardt vom Fachbereich Wirtschaftsrecht der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen.

Recklinghausen. Die Energiewende schreitet voran. Allerdings müssen in Zeiten der „Dunkelflaute“, wenn zu wenig Strom aus Sonne und Wind geliefert wird, vorerst noch kurzfristig zuschaltbare Gaskraftwerke einspringen, so Prof. Dr. Ralf-Michael Marquardt von der Hochschulabteilung Recklinghausen der Westfälischen Hochschule, dessen Spezialgebiet die Energiepolitik ist. Da in Zukunft die konventionelle Stromerzeugung aus Atom- und Kohlekraftwerken zurückgefahren werden soll und der Stromverbrauch beispielsweise durch mehr Wärmepumpen und Elektromobilität steigen wird, sieht er die Situation jedoch kritisch: „Bis 2030 könnten trotz weiterer Fortschritte in der Speichertechnologie und bei Flexibilisierung der Nachfrage zur Deckung der Spitzenlast aus nationalen Kapazitäten rund 20 Gigawatt Leistung fehlen.“ Das entspreche gut einem Viertel der gesichert zur Verfügung stehenden Kraftwerksleistung.

Einer Studie von Marquardt zufolge ist das Problem auch der Bundesregierung bekannt. Zur Vermeidung von Versorgungsunterbrechungen setze die Bundesregierung darauf, genügend Strom aus dem Ausland importieren zu können und vor allem darauf, dass im Inland bis dahin neue Gaskraftwerke die Lücke schließen. Dass das Ausland genügend Strom liefert, basiere, so Marquardt, zurzeit eher auf dem Prinzip „Hoffnung“. Insbesondere aber bezweifelt er angesichts der unzureichenden Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken, dass der Binnenstrommarkt genügend Anreize für Neuinvestitionen liefert. Marquardt: „Das Vertrauen der Bundesregierung auf die Marktkräfte stützt sich auf Studien, die wichtige investitionshemmende Aspekte wie Planungssicherheit ausgeblendet haben. Die Politik muss daher dafür sorgen, dass die Versorgung mit weiteren Formen von Reserven abgefedert wird. Die bisherige Strategie hat Defizite und Wunschdenken wird nicht helfen. Aber die Stromversorgung ist ein Gut der Daseinsvorsorge und muss gesichert sein.“

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